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Filme > 2005 > Der Exorzismus von Emily Rose
The Exorcism of Emily Rose
Der Exorzismus von Emily Rose
 
Genre:Horror / Thriller
Kinostart:24. November 2005
Freigabe:ab 12 Jahren
Länge:120 Minuten / 3273 Meter
Bildformat:Cinemascope
Verleih:Sony
 
Homepage / Trailer / Infoseite
Meinung der Redaktion
Ungewöhnlicher Horror-Thriller der auf die genreüblichen Effekte nur in geringem Maße zurückgreift. Starke Darsteller und der Versuch eine auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte zu erzählen, lassen ihn aus dem normalen Horrorbereich herausragen. Uns störte vor allem die fragwürdige, nur scheinbare inhaltliche Ausgewogenheit und der unterschwellige Versuch doch Zweifel im Zuschauer zu wecken.
Mitwirkende
Stab: Scott Derrickson (Regie), Tom Stern (Kamera), Jeff Betancourt (Schnitt), Scott Derrickson und Paul Harris Boardman (Buch) und Christopher Young (Musik). Darsteller: Shohreh Aghdashloo (Doctor), J. R. Bourne (Ray), Jennifer Carpenter (Emily Rose), Joshua Close (Jason), Colm Feore (Karl Gunderson), Duncan Fraser (Dr. Cartwright), Lorena Gale (Jury Forewoman), Katie Keating (Alice), Laura Linney (Erin Bruner), Marilyn Norry (Maria Rose), Andrew Wheeler (Samuel Rose) und Tom Wilkinson (Pater Moore).
Inhalt
Basierend auf einer wahren deutschen Begebenheit erzählt der ebenso aufwühlende, wie intelligente Thriller die Geschichte und den Leidensweg der jungen Studentin Emily Rose, die von schrecklichen Visionen und krampfartigen Anfällen heimgesucht wird. In einem außergewöhnlichen Entschluss erkennt die katholische Kirche die satanische Besessenheit des Mädchens offiziell an. Pater Moore führt den umstrittenen Exorzismus durch, der tragischerweise zu Emilys Tod führt. Der Geistliche... wird daraufhin wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Seine Anwältin Erin Bruner, selbst mehr als skeptisch gegenüber Emilys Besessenheit, versucht, die Unschuld des Paters zu beweisen und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Doch was ist die Wahrheit? War Emily wirklich von dämonischen Mächten besessen oder litt sie lediglich an einer schweren Krankheit? mehr.
Kritiken
Teuflisch. Jahrhundertealt und trotzdem noch gängige Praxis: die Teufelsaustreibung mit der die Kirche im Mittelalter das abergläubische Volk beim Glauben hielt, findet auch heute noch Anwendung. Zum Beispiel im Fall der jungen Studentin Emily Rose (Jennifer Carpenter). Wochenlanger Verzicht auf Essen und eine scheinbare Epilepsie kosteten ihr ... schließlich das Leben. Oder war doch alles ganz anders und Emily vom Teufel besessen? Die bodenständige, aufstrebende Anwältin Erin Brunner (Laura Linney) vertritt den ehrenwerten Pater Richard Moore (Tom Wilkinson), der Emily empfohlen haben soll, die Medikamente abzusetzen, um einen Exorzismus an ihr durchzuführen. Erins Strategie ist es zunächst, die Argumente der Gegenseite zu entkräften, doch je mehr sie hört und schließlich auch sieht, desto mehr beginnt auch sie an teuflische Mächte zu glauben.
  Mit dem Klassiker zum Vorbild und auf die gesunde Skepsis der gottgläubigen amerikanischen Bevölkerung vertrauend, streut Autor und Regisseur Scott Derickson („Hellraiser: Inferno“) Zweifel und Schrecken unter die Kinogänger. In den Staaten ging diese Rechnung auf und „Der Exorzismus der Emily Rose“ entwickelte sich zum Überraschungshit des Kinosommers. Ob sich das hierzulande wiederholen lässt, dürfte fraglich sein, zumal der Film fortwährend zwischen Gerichtsdrama, Horror und Psychothriller pendelt und dem Zuschauer, trotz der immer wieder eingestreuten wissenschaftlichen Alternativtheorien, die eigene Entscheidungsfreiheit nimmt. Trotzdem bleibt’s bis zum Schluss spannend, nicht zuletzt durch die hervorragenden Hauptdarsteller und eine wirklich intensive Leistung der jungen Jennifer Carpenter
mehr. (3,25 Sterne/lt/18.12.05)
10 Jahre danach: Sony erinnert mit Film an Lisa McPherson. Der Gerichtsmediziner kommt zum einsamen Haus der Familie Rose, um den Tod der Studentin Emily zu bescheinigen: "Keine natürliche Todesursache." Denn wie es sich für einen Horrorfilm gehört, geht es um eine "übernatürliche" Todesursache. Emily starb während einer Art "Exorzismus". Nun wird ihr Gemeindepfarrer Pater Moore, wegen fahrlässiger ... Tötung angeklagt. Denn er riet Emily, ihre gegen Epilepsie und Psychose verordneten Medikamente abzusetzen. In der Gerichtsverhandlung, die im Mittelpunkt des Films steht, geht es folgerichtig um die Frage Besessenheit oder Krankheit? Medikamente oder Exorzismus? Und: Gibt es eine religiöse Begründung oder Rechtfertigung für die Verweigerung einer Behandlung mit Medikamenten?
  In Rückblenden erschließt der Film parallel zu den Aussagen der Zeugen und Gutachter im Gerichtssaal nach und nach die (Krankheits-)Geschichte der Emily Rose: Das junge Mädchen aus einer behüteten ländlichen Familie kam durch ein Stipendium zum Studieren in die große weite Welt, eigentlich nur eine für europäische Verhältnisse doch ebenfalls sehr behütete Universität. Hier überfallen das von Hause aus fröhliche Mädchen auf einmal epileptische oder psychotische Anfälle und schreckliche Visionen. Von der Universität nach Hause geflüchtet, vertraut sie sich ihrem Gemeindepfarrer an. Der versucht nun, mit Billigung des Erzbischofs, einen Exorzismus nach Anleitung des Rituale Romanum durchzuführen.
  Die Rückblenden, fast ausschließlich aus der Perspektive des Priesters bzw. der besessenen und verstörten Emily, untermauern mit der Kraft der Bilder eine übernatürliche Interpretation der Geschehnisse. Darüber hinaus wird auch die Weltsicht der engagierten Verteidigerin Erin Bruner, nach eigener Meinung "Agnostikerin", durch eigene übernatürliche Erlebnisse und mysteriöse Angriffe schwer erschüttert. Ihre Bekehrung zum Glauben an alles Mögliche demonstriert sie schließlich bei den Gerichtsverhandlungen durch das Tragen eines zufällig im Schnee gefundenen Amuletts mit den Anfangsbuchstaben ihres Namens.
  Gegen den Willen der Erzdiözese entschließt sich die Verteidigerin dazu, nicht den Vergleich und die stille, außergerichtliche Einigung mit der Staatsanwaltschaft zu suchen. Sie will um die vermeintliche Wahrheit streiten und den Geschworenen die Realität der Besessenheit plausibel machen. Zur Mystifizierung hilft auch der Auftritt der Besessenheitsexpertin Dr. Adani. Sie lässt an pseudowissenschaftlichen Erklärungen bis hin zu Carlos Castaneda nichts aus, um Besessenheit wissenschaftlich zu begründen.
  Der Anwältin gegenüber steht der schmallippige Staatsanwalt Ethan Thomas, selbst kirchlich engagiert als methodistischer Sonntagsschullehrer, aber sachlich-nüchtern. Ein Widerspruch? Er hat im Gerichtssaal nicht mehr aufzubieten als seine ebenso seriösen, hilflos-sachlichen medizinische Experten, die sich über die Diagnose nicht ganz einig sind und zugeben müssen, dass es bei Diagnose und Therapie keine hundertprozentig sicheren Aussagen gibt – wissenschaftlich korrekt und ehrbar, eben nicht schwarz-weiß, wie es ein Gerichtsdrama zur Beeinflussung der Geschworenen verlangt.
  Und was sie sagen, kann auch beim Zuschauer keinen Eindruck machen gegenüber den Horror-Rückblenden . Denn hier geht es klischeehaft zu. Türen fliegen auf und knallen krachend zu, Blitze zucken, Tapeten und Dielen werden von der Besessenen zerkratzt und zu allem Überfluss sind dann da auch Kakerlaken, die sich Emily in den Mund stopft. Das Erschrecken der Zuschauer wird kaum durch raffinierte Spannungsbögen erzeugt. Mehr als einmal zuckt man zusammen vom übersteuert lauten Türknallen und unmotiviertem Blitzen und Donnern in Schlafzimmer und Scheune – und das alles ganz ernst gemeint, um die "übersinnlichen" Vermutungen des "Exorzisten" und seiner Verteidigerin zu stützen.
  Zu guter letzt wird die angeblich Besessene zur Heiligen verklärt: Sie stigmatisiert, trägt also Wundmale an den Händen. Emily, im Vorfeld nicht religiös aktiv und auffällig, wird vom Bösen für uns gequält, um uns Menschen die Existenz des Übernatürlichen zu demonstrieren. Sie verweigert einen zweiten "Exorzismus", aber auch die Erlösung von ihrem Leiden, um durch die Demonstration der unerklärlichen, übernatürlichen, aber mächtigen Wirksamkeit des Bösen die Menschen aufzurütteln. Indirekt will oder soll sie so die Existenz des Guten, Göttlichen deutlich machen.
  Zu weit hergeholt? Der Film – eine Mischung aus den in den USA beliebten Gerichtsfilmen mit dem Genre des Horrorfilms – behauptet, auf einer "wahren Geschichte" zu beruhen. Angedeutet wurde, man beziehe sich auf den Exorzismus von Klingenberg an der römisch-katholischen Studentin Anneliese Michel im Deutschland des Jahres 1976. Tatsächlich aber dreht sich Film um die zur Zeit in den USA wichtige Frage, ob Medizin und Psychiatrie selbst nur bezweifelbare Ideologien sind, die der spirituellen Heilung geradewegs ins Handwerk pfuschen. Der Rat zum Absetzen der verordneten Medikamente sei nicht der Schritt hin zur fahrlässigen Tötung gewesen. Im Gegenteil: Die psychiatrisch verordneten Psychopharmaka hätten die Wirksamkeit des Exorzismus verhindert; seien also quasi Hilfsmittel des Teufels!
  Tatsächlich gibt es in den USA einen ideologisch aufgemachten Psychokonzern (Scientology), der den Kampf gegen die wissenschaftliche Medizin, die Psychiater und die Psychopharmaka führt. Nicht nur, um sich einen Platz auf dem umkämpften Markt der Psychotherapie-Anbieter zu sichern. Sondern auch, um eigene, teils lebensgefährliche Praktiken gegenüber den eigenen Anhängern zu rechtfertigen und zu verteidigen. So erinnert mich das Leiden der Emily Rose weniger an den Exorzismus der Anneliese Michel, sondern eher an das Leiden der Lisa McPherson, die 1995 von Scientologen aus dem Krankenhaus, in das sie geflüchtet war, herausgeholt wurde, um dann der tödlichen Behandlung des "Introspection Rundowns" bei Scientology ausgeliefert zu werden. Sie aß keine Schaben, im Gegenteil: ihre abgemagerte, dehydrierte Leiche soll Insekten- und Schabenbisse aufgewiesen haben. Ihr Todestag jährt sich am 5. Dezember zum 10. Mal. Ihre Vernachlässigung war absichtlich, gehörte zum Ritual. Gerechtfertigt wurde die Behandlung mit der "Religionsfreiheit".
  Sind "religiöse" Rituale und Handlungen gleichwertigmit medizinischer oder psychotherapeutischer Behandlung? Und sind Gewalt, Freiheitsberaubung und unterlassene Hilfeleistung religiös zu entschuldigen? Der Film "Der Exorzismus der Emily Rose" ist nicht nur schlechte Unterhaltung. Er verteufelt Epileptiker als möglicherweise Besessene. Und er macht sich in seiner über den Filmabend hinausführenden Polemik gegen weltliches Recht und Schulmedizin, gegen Vernunft und körperliche Unversehrtheit stark dafür, esoterische und para-wissenschaftliche Erklärungen gleichberechtigt mit medizinischen Argumenten gelten zu lassen.
  Übrigens: Dass Menschen durch "Übernatürliches" zum Glauben kommen, wird im Neuen Testament bestritten. Und dass sich trotz Evangelium Menschen opfern müssen, um uns durch ihre bizarren Qualen zum Glauben ans Übernatürliche und zum Heil zu führen, ist eine unchristliche (und scheußliche) Vorstellung.
mehr. (1,5 Sterne/TG/25.11.05)
Forum zum Film
ThemavonerstmalszuletztAntw.
Horror mal anders!!!ag9.11.05 12:335.12.05 16:302
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Bewertung
Action:1,29 Sterne(4)
Anspruch:2,01 Sterne(4)
Erotik:0,02 Sterne(3)
Humor:0,12 Sterne(3)
Spannung:2,57 Sterne(5)
Story:2,58 Sterne(3)
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Pro
ungewöhnlicher Horror-Thriller
nach einer wahren Begebenheit
starke Darsteller
Atmosphärisch, düster, gut gespielt
Kontra
fragwürdige, nur scheinbare inhaltliche Ausgewogenheit
angeblicher Tatsachenhintergrund
Schrecksekunden von der Tonspur
Arthousemeter
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Einzelbewertungen
Action:4
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