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Filme > 2009 > Milk
Milk
 
Genre:Drama / Reality
Kinostart:19. Februar 2009
Freigabe:ab 12 Jahren
Länge:128 Minuten / 3519 Meter
Bildformat:Breitwand Wide-Screen
Verleih:Constantin
 
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Mitwirkende
Stab: Gus Van Sant (Regie), Dustin Lance Black (Drehbuch), Bruce Cohen, Dan Jinks und Michael London (Produktion), Harris Savides (Kamera), Elliot Graham (Schnitt) und Danny Elfman (Musik). Darsteller: Sean Penn (Harvey Milk), Emile Hirsch (Cleve Jones), Josh Brolin (Dan White), Diego Luna (Jack Lira), James Franco (Scott Smith), Alison Pill (Anne Kronenberg), Victor Garber (George Moscone), Denis O'Hare (John Briggs), Joseph Cross (Dick Pabich), ... Stephen Spinella (Rick Stokes), Lucas Grabeel (Danny Nicoletta), Brandon Boyce (Jim Rivaldo), Howard Rosenman (David Goodstein), Kelvin Yu (Michael Wong), Jeff Koons (Art Agnos), Ted Jan Roberts (Dennis Peron), Boyd Holbrook (Denton Smith) und Kelvin Han Yee (Gordon Lau). mehr.
Inhalt
San Francisco, 1972. Harvey Milk und sein Partner Scott Smith haben vom Leben in New York die Nase voll und suchen ihr Glück an der Westküste. Sie eröffnen im Arbeiterviertel Castro einen kleinen Fotoladen: „Castro Camera“. Bald wird das Geschäft als Treffpunkt und Nachrichtenbörse zum Mittelpunkt des Viertels, vor allem dank Harvey Milks herzlichen, überschäumenden Temperaments. Es dauert nicht lange, bis Milk seinen Hang zur Politik entdeckt: Sein Anliegen sind die Interessen... der kleinen Leute seines Viertels – und die der schwulen Community. Milk organisiert Straßenfeste im Castro District und er steht stets an der Spitze, wenn es gegen Diskriminierung zu protestieren gilt.
  Während dreier Wahlkampagnen für den Stadtrat von San Francisco gewinnt Milk unzählige Helfer und Freunde dazu; vor allem sein Berater Cleve Jones steht ihm unermüdlich zur Seite. Doch in dieser Zeit zerbricht die Beziehung zu seinem langjährigen Geliebten Scott. An der Seite seines neuen Partners Jack Lira schafft Milk bei der Wahl 1977 schließlich den Einzug in den Stadtrat. Kaum im Amt, stößt Milk eine Vielzahl von politischen Initiativen an, womit er sich nicht nur Freunde macht. Und einer seiner Gegner, Milks Stadtrats-Kollege Dan White entpuppt sich schließlich als Todfeind... Ausführlicher Inhalt.
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Trailer
Nutzerkommentare
Bewegendes Porträt. Im November 1978 wurde der US-Politiker Harvey Milk von seinem Freund und Kollegen Dan White erschossen. Milk war der erste Homosexuelle, der in ein relevantes Polit-Amt gewählt wurde. Seine Bedeutung für die „Gay Rights“-Bewegung wird mit der Martin Luther Kings für den Aufbruch der Afroamerikaner verglichen – und das nicht bloß, weil ... beide als Märtyrer starben. Welch böse Ironie, dass ausgerechnet Rick Warren, ein strikter Gegner der Homo-Ehe, das Vaterunser zum Amtsantritt von Barack Obama sprach. Das schwarze Amerika hat einen gewaltigen Schritt vorwärts getan, das homosexuelle derweil kann davon nur träumen. Mit seinem dokumentarisch anmutenden Biopic „Milk“ errichtet Oscar-Preisträger Gus Van Sant (Elephant, Good Will Hunting) dem tragischen Helden der Schwulenbewegung ein würdiges Denkmal. Anders als vor ihm Ang Lee (Brokeback Mountain) zeichnet er ein nicht nur erschreckendes, sondern ebenso hoffnungsvolles Bild einer Gesellschaft im Kampf um ihre Ideale, das keineswegs als bloße Retrospektive zu verstehen ist. Der Fokus liegt dabei auf dem politischen Wirken Milks (1970-1978), die prägenden Erfahrungen vor dem späten Coming Out bleiben außen vor. So fehlt dem Film als Porträt dann zwar der Feinschliff, als kraftvolles und empathisches Toleranz-Plädoyer ist „Milk“ dennoch überragend. Und das nicht zuletzt dank eines berauschenden Sean Penn, dem es in der Hauptrolle spielend gelingt, einen neuen Karrieregipfel zu erklimmen.
  „All men are created equal!” So steht es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Die Realität, mit der sich Harvey Milk (Sean Penn, Mystic River, Dead Man Walking) konfrontiert sieht, ist eine andere. Anfang der 70er Jahre zieht er mit seinem Freund Scott Smith (James Franco, Spider-Man, Flyboys) nach San Francisco und eröffnet im Castro-Viertel einen Fotoshop. Als Reaktion auf die homophoben Anfeindungen seiner Umgebung geht Milk zunehmend offensiv mit seiner Sexualität um. Sein Laden wird zum Szenelokal, das Viertel zur Hochburg der zaghaft erwachenden Schwulenbewegung. Schrittweise mehr Verantwortung für seine Community übernehmend, wird ihm klar, dass er in die Politik gehen muss, wenn er etwas bewegen will. Mit Mut, Geduld und der Hilfe seiner Mitstreiter (Emile Hirsch, Into The Wild, Alison Pill, Pieces Of April) bewirbt er sich für das städtische Amt des Supervisors – und wird nach mehreren Anläufen gewählt. Milk gewinnt an Selbstverstrauen und trägt den Kampf um die Bürgerrechte Homosexueller über die Stadtgrenzen hinaus. Doch im Schatten seines Erfolges erwächst eine fatale Rivalität mit Amtskollege Dan White (Josh Brolin, No Country For Old Men, W.), der eines Tages mit blankliegenden Nerven und geladener Waffe im Rathaus aufkreuzt...
  Kurz vor seinem Tod nahm Milk, der sich der allgemeinen Gefahr eines Attentats bewusst war, ein Diktiergerät zur Hand und zeichnete seine Geschichte auf. Eine bessere Quelle kann sich ein Filmemacher nicht wünschen. Folgerichtig greift Van Sant diesen Umstand als narrativen Rahmen auf. Der Konstruktion eines Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford nicht unähnlich, wird Milks Ende bereits zu Beginn vorweggenommen, und stellt die folgenden zwei Stunden damit in den Kontext seines Todes. Ein geschickter Schachzug, denn so gelingt „Milk“ die Gratwanderung zwischen Schicksalhaftigkeit und hoffnungsvoller Euphorie. Schon früh erhält Milk eine Morddrohung in Form infantil auf Papier gekritzelter Verstümmelungsbilder. Scott will das Papier wegwerfen, doch sein ambitionierter Partner hängt es gut sichtbar am Kühlschrank auf. Sein Kampf soll offen sein, von Angst will er sich nicht leiten lassen. Der panische Schulterblick in den nächtlichen Straßen San Franciscos wiederum spricht eine andere Sprache.
  In solchen Momenten kommt Van Sant seinem Protagonisten ganz nahe. Mit rhythmischem Gespür werden derart intime Augenblicke mit Archivmaterial und körnigen, dokumentarisch wirkenden Massenszenen verknüpft. Chronologisch durch die Etappen von Milks Politkarriere schreitend, wechselt Van Sant virtuos zwischen Mikro- und Makrokosmos und erzählt so über den Lebensweg eines Mannes die Geschichte einer ganzen Gesellschaft. Der Blick auf die Schwulenszene fällt dabei keineswegs romantisierend aus. Ohne falsche Scheu wird die Promiskuität homosexueller Verhältnisse aufgegriffen. Doch stellt „Milk“ diese Schnelllebigkeit stets in den Kontext der 68er Generation (untrüglich durch Penn mit Mähne, Vollbart und Schlaghosen impersonifiziert), in eine Zeit vor HIV und Aids, und verleiht dem lustvollen Treiben damit eine Aura der Unschuld.
  So locker sehen und sahen es die Konservativen allerdings nicht. Es ist Van Sant hoch anzurechnen, dass er die Opposition nicht dämonisiert. Deren ständige Verweise auf Gottes Unwillen gegenüber homosexuellen Paaren wirken aus aufgeklärter Perspektive zwar reichlich albern, gerade Dan White spricht der Film aber ein erstaunlich ambivalentes Wesen zu. Auf Basis des starken Drehbuches bekommt der einmal mehr großartige Josh Brolin den Freiraum, White als zugewandten aber gebrochenen Mann darzustellen, der in Milk schließlich einen Sündenbock für das Desaster seines eigenen Lebens findet.
  Über diesen Qualitäten thront das oscarreife Spiel Sean Penns, der gänzlich in seiner Rolle aufgeht. Sein untrügliches Gespür für anspruchsvolle Stoffe muss der Darsteller und Regisseur längst nicht mehr unter Beweis stellen. Und doch überbietet er sich hier einmal mehr selbst. Sein Harvey Milk strahlt einen Sanftmut aus, der schwer in Worte zu fassen ist. Penn spielt die Figur nicht, er lebt sie. Hoffnung und Mut, aber auch Angst und Verzweifelung, all das transportiert er mit einer schlafwandlerischen Sicherheit, die bedingungslose Sympathie für den tragischen Helden unausweichlich macht. Und obgleich Milk sich nie als solchen begriffen hat – für die amerikanische Schwulenbewegung ist er genau das.
  Wenn Van Sant mit seinem Privat- und Gesellschaftsporträt überhaupt etwas versäumt, dann den Blick in Milks Vergangenheit. Immerhin war dieser bereits in seinen Vierzigern, als sich seine politischen Ambitionen herauskristallisierten. Der Courage, nicht nur zu seiner Sexualität zu stehen, sondern auch für Toleranz und Gleichberechtigung aufzustehen, ging eine lange Zeit der Orientierungslosigkeit voraus, die Van Sant lediglich andeutet. Bei all der Emotionalität und Energie, die „Milk“ entfesselt, fällt diese Schwäche im Detail aber kaum ins Gewicht. Auf ein deutsches Publikum, das dank Klaus Wowereit, Guido Westerwelle oder Ole von Beust mit Karrieren homosexueller Männer vertraut ist, mag der Appellcharakter des Films weniger dringlich als in den Staaten wirken. Eine breite gesellschaftliche Akzeptanz schwuler Partnerschaften steht allerdings auch hierzulande noch aus. Damit ist „Milk“ nicht nur ergreifendes Kino, sondern ebenso eine Erinnerung an das fundamentale Toleranzversprechen, auf dem die westlichen Demokratien aufbauen.
mehr. (4,25 Sterne/MAR/8.8.09)
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Bewertung
Action:1,39 Sterne(4)
Anspruch:2,86 Sterne(4)
Erotik:0,82 Sterne(3)
Humor:0,42 Sterne(3)
Spannung:2,6 Sterne(4)
Story:3,55 Sterne(4)
Film:3,35 Sterne(5)
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Pro
bewegendes Porträt einer unbekannten Legende
exzellent gespielt von Penn
bis in die Nebenrollen gut besetzt
Mischung aus Doku- und Spielfilmszenen
Kontra
keine Kontra vergeben
Einzelbewertungen
Action:4
Anspruch:4
Erotik:3
Humor:3
Spannung:4
Story:4
Film:5
Summe aller Bewertungen:27
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