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Filme > 2017 > Vorwärts immer!
Vorwärts immer!
 
Genre:Komödie
Kinostart:12. Oktober 2017
Freigabe:ab 12 Jahren
Prädikat:wertvoll
Länge:98 Minuten
Drehzeit:10. November 2015 bis 29. Januar 2016
Verleih:DCM
Inhalt
Ost-Berlin, am Morgen des 9. Oktober 1989: Der berühmte Schau­spieler Otto Wolf (Jörg Schüttauf) steckt in den Proben für ein geheimes Theater­stück mit dem Titel „Vorwärts immer“, in dem er Erich Honecker auf der Bühne verköpert. Von Kontakten erfährt Otto eine schockierende Nachricht: Die für den Abend in Leipzig geplanten Demonstrationen gegen das DDR-Regime sollen mit aller Gewalt nieder­geschossen werden – und seine schwangere Tochter Anne (Josefine Preuß) ist gerade auf... dem Weg dorthin! Also fassen Otto und seine Kollegen einen wag­halsigen Plan: Solange der „echte“ Erich Honecker in Wandlitz auf der Jagd ist, soll Otto als „falscher“ Honecker das Zentral­komitee betreten und den Schieß­befehl auf Leipzig zurück­nehmen. Ein turbulentes Spiel auf Zeit beginnt, bei dem Otto nicht nur dem Zentral­komitee gefährlich nahe­kommt, sondern auch der echten Margot Honecker… mehr.
weiterführende Informationen
Die Entscheidung fiel am Montag, den 9. Oktober 1989. Hätten an diesem Abend in Leipzig die schuss­bereiten Polizei- und Armeetruppen den Zug von 70.000 un­erschrockenen Demonstranten gewaltsam „aufgelöst“, wie eigentlich von jedem erwartet, wäre die Grenze wo­möglich niemals geöffnet worden – auf jeden Fall nicht schon einen Monat danach.
  Der Niedergang der DDR begann in den frühen 80er Jahren. Wie als Antwort auf die ... westliche Friedens- und Umwelt­bewegung bildeten sich in einzelnen Kirchen­gemeinden, im Künstler- und Intellektuellen-Milieu system­kritische, meist pazifistische Zirkel, die einen „demokratischen Sozialismus“ propagierten. Vor allem aber war für jeden in der Republik un­übersehbar geworden: Die Plan­wirtschaft hatte trotz aller jahre­langen un­ermüdlichen Anstrengungen unter schwierigsten Bedingungen den von der Einheits­partei propagierten Wettlauf mit dem Kapitalismus verloren. 1983 wurde die drohende Insolvenz offenbar. SED-Generalsekretär Erich Honecker nahm einen Milliarden­kredit ausgerechnet aus den Händen des bekennenden Kommunisten­hassers Franz Josef Strauß an. Ein Sensations­deal, der dennoch nichts an der Misere änderte. Der Pakt zwischen Staats­partei und Bevölkerung – ausreichende Versorgung und Privilegien gegen Loyalität – war brüchig geworden. Und weil sämtliche Entscheidungen strikt hierarchisch in der Ost-Berliner Macht­zentrale gebündelt waren, gab es auch nur eine einzige Instanz, die man verantwortlich machen konnte: die Partei­führung.
  Auch innerhalb der Hierarchie war kaum noch etwas zu bewegen. Selbst die Über­zeugtesten und Begabtesten der jüngeren Generation hatten kaum noch Perspektiven. Die Alten hielten sämtliche Schalt­stellen besetzt. Das Polit­büro bestand so gut wie ausschließlich aus alten Männern. Das Triumvirat der Macht, General­sekretär Honecker, Stasi-Chef Mielke, Wirtschafts­funktionär Mittag, hatte praktisch das Greisen­alter erreicht. Einzig FDJ-Chef Egon Krenz wurde als Vertreter der „Neuen“ gehört. Aber dass ausgerechnet er frischen Wind bringen sollte, der auch bereits auf die 50 zuging und für seine Chamäleon-artige Anpassungs­fähigkeit bekannt war, war kaum glaubwürdig. Zwar hatte Honecker im Zuge der Bonner Ostpolitik und der KSZE-Vereinbarungen international eine größere Anerkennung der DDR erreicht. Allerdings um den Preis, die hermetische Abschottung lockern zu müssen – mit der Folge, dass die Zahl der Ausreise­anträge mehr als dramatisch anstieg. Am Ende hatte jeder, der nicht sein Land verlassen wollte oder konnte, mindestens einen Freund, Verwandten oder Kollegen an den Westen verloren – noch dazu meist gut Ausgebildete der jüngeren Generation. Spätestens jetzt war das, was den SED-Obrigkeits­staat noch vor dem Zerfall bewahrte, vor allem die all­gegen­wärtige Repression und Einschüchterung durch die Stasi unter ihrem Chef Mielke – mit 360.000 Mitarbeitern der größte Spitzel­apparat der Welt.
  Gleichzeitig riss in der Garantie-Macht Moskau der neue, dynamische General­sekretär Michail Gorbatschow das Ruder herum. Tief­greifende wirtschaftliche, politische und kulturelle Reformen sollten den real-existierenden Sozialismus retten – und dafür erhielt „Gorbi“ offenen Jubel. Auch in China hatten sich massen­haft Oppositionelle von diesem Aufbruch ermutigen lassen. Anfang Juni 89 sahen sich die Macht­haber gezwungen, den Platz zum Tor des Himmlischen Friedens mit Panzern räumen zu lassen. Die Nachricht von Tausenden von Toten ging um die Welt und bewies erneut, dass bisher noch jedes kommunistische System Proteste blutig nieder­geschlagen hatte.
  Gleichzeitig aber taten sich immer mehr Lücken in den Grenzen auf. Ungarn, ökonomisch ebenfalls dringend auf westliche Hilfe angewiesen, hatte Ende Mai 89 den Zaun zu Österreich symbolisch durch­trennen lassen. Im August hielten sich mittlerweile 150.000 ostdeutsche „Urlauber“ im Nachbarland auf, und keiner wollte wieder nach Hause. Notlager mussten errichtet werden. Hunderte stürmten durch ein absichtlich offen gehaltenes Grenz­gatter in die Freiheit - vor den film­bereiten Kameras westlicher Medien. Die erste Massen­flucht seit Bau der Mauer.
  Auch hatte sich längst herum­gesprochen, dass die Besetzung westlicher Botschaften jedes Mal dazu führte, dass die Besetzer tatsächlich ausreisen durften. Im Oktober 89 war es die BRD-Vertretung in Prag. Doch diesmal hatten sich nicht zwei Handvoll Frauen und Männer mit ihren Kindern Zutritt verschafft. Diesmal zwängten sich über 8.000 auf dem morastigen Gelände. Ihre Versorgung war nicht mehr sicher zu stellen, die sanitäre Situation menschen­unwürdig. Um die Feier zum 40. Jahrestag der DDR-Staats­gründung nicht zu sehr zu trüben, ließ Honecker sich überzeugen, die Ausreise von insgesamt 17.000 Menschen zu verhandeln. Kaum hatte der Bonner Außen­minister Genscher bei einer UNO-Sitzung in New York davon erfahren, saß er schon im Flugzeug, um tags darauf den in der Botschaft Ausharrenden die Lösung ihres Problems zu verkünden, obwohl sie noch gar nicht abschließend geregelt war. Dennoch, die Bilder der befreit winkenden Familien in ihren Zügen gingen rund um die Welt.
  Inzwischen waren die Oppositionellen in der DDR zum Zug gekommen und wurden für ihren Mut belohnt. Bürger­bewegungen, die sich überall formiert hatten, erfuhren rasanten Zuspruch, jeder spürte, die Repressions­macht des Systems war im Schwinden. Durch sie gab es Gelegenheit, seinen Unmut frei, solidarisch und sprach­gewaltig zu formulieren - aber auch Perspektiven für einen anderen, demokratischen Sozialismus. Das jeden Montag stattfindende Friedens­gebet in der Leipziger Nikolai­kirche diente bereits seit Längerem als Sammel­punkt. Nun lockte es wöchentlich immer mehr Schau­lustige auf den Vorplatz. Zunächst stand man abwartend wie ein normaler Passant herum, aber am 18. September hatten sich plötzlich über Tausend versammelt. Brutale Stasi-Schläger sollten für Einschüchterung sorgen. Vergeblich, der Unmut steigerte sich zur Wut. Eine Woche später setzte sich die Menge erstmals in Bewegung. Keiner konnte sagen, warum und wohin, Haupt­sache durch die Stadt. Einen weiteren Montag später waren es 15.000, wieder gingen sie los. „Wir sind das Volk!“ rief einer aus der Dunkelheit. „Wir sind das Volk!“ antworteten auf einmal viele.
  Der folgende Montag war der 9. Oktober. Zwei Tage nach der Feier zum 40. Jahrestag der DDR. Keiner in der Republik glaubte, die Staats­führung würde die Massen-Proteste in Leipzig jetzt auch nur einen Tag länger dulden. Ein Groß­einsatz war mit preußischer Gründlichkeit geplant, waffen­starrende Kräfte von Polizei und Armee waren in der Innen­stadt zusammen­gezogen worden, die Vorräte an Blut­konserven in den Kranken­häusern der Messe­stadt sicherheits­halber aufgestockt. Selbst Kirchen­führer warnten, diesmal nicht zu demonstrieren. Jeder musste mit Schüssen und Toten rechnen, jedem hatten sich die furcht­erregenden Bilder von Peking eingebrannt. Doch was geschah, übertraf alle Erwartungen. 70.000 Menschen kamen zusammen auf dem Weg Richtung Nikolai­kirche – und kein Schuss fiel. Die Bewaffneten hielten sich abseits, sahen zu - und taten nichts.
  Ausgerechnet an diesem Abend waren die Schalt­zentralen der Macht wie lahm gelegt. Honecker war un­auffindbar, Egon Krenz und das Berliner Politbüro­mitglied Günter Schabowski vollauf mit der Intrige beschäftig, ihn per Putsch los­zuwerden. Und die Verantwortlichen in Leipzig mochten nicht ohne Befehl von oben ein Blutbad riskieren. Niemand wollte Verantwortung übernehmen.
  Neun Tage später wurde der greise Honecker durch Krenz ersetzt. Im Bemühen, die Massen bei der Fahne zu halten, versprach der neue General­sekretär un­ablässig die „Wende“ – aber er konnte nicht sagen, was er damit konkret meinte. Endlich, am 9. November, bewirkte der inzwischen berühmte, wie von Geister­hand in eine Presse­konferenz des Politbüro­mitglieds Schabowski hinein­gereichte Zettel das Ende der Grenz­schließung. Auf einen Schlag war die bisherige Welt­ordnung obsolet – und kein einziger Schuss war gefallen.
  Die sich nun erst recht über­stürzenden Ereignisse sind ein eigenes Kapitel. Aber was ist aus Honecker, Mielke und Krenz geworden?
  Nach seiner Absetzung durch das Politbüro am 11. Oktober 89, dem er pflicht­schuldigst selbst zugestimmt hatte, wurden Erich Honecker und seiner bis dahin ebenfalls mit großer Macht­fülle aus­gestatteten Ehefrau Margot die Wohnung in Wandlitz gekündigt. Im Januar 90 erfuhr er nach einer ärztlichen Unter­suchung aus den Abend­nachrichten, dass er an Leber­krebs erkrankt sei. Ein pflaumen­großer Tumor wurde entfernt, ein evangelischer Land­pfarrer nahm das obdach­lose Paar auf, was wütende Proteste bis hin zu Mord­drohungen auslöste. Endlich ließ ihn Gorbatschow aus dem sowjetischen Militär­krankenhaus Beelitz nach Moskau ausfliegen. Doch auch er wurde gestürzt. Die Honeckers flohen in die chilenische Botschaft, von wo aus der Schwer­kranke nach langen Querelen an die Bundes­republik ausgeliefert wurde. Im November 92 wurde die Haupt­verhandlung zugelassen. Die Anklage­schrift war so umfang­reich, dass ein Prozess Jahre dauern würde. Honecker konnte sich vor dem Bundes­verfassungs­gericht die Einstellung des Verfahrens erstreiten: Ein Gerichts­verfahren sei menschen­unwürdig, wenn der Angeklagte aller Wahrscheinlichkeit nach sein Urteil nicht mehr erleben würde. Nach 169 Tagen U-Haft konnte er endlich das Flugzeug nach Santiago de Chile besteigen, wo er 1994 im Kreise seiner Familie seiner Erkrankung erlag. Bis zum Schuss bestritt Erich Honecker nachdrücklich jede juristische oder moralische Schuld.
  Erich Mielke, Chef des einstmals größten Sicherheits­apparates der Welt, war bereits zwei Tage vor dem Mauer­fall abgetreten. Kurz darauf erging ein Haft­befehl wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ sowie „Rechts­beugung“. Aber erst, als die Berliner Behörden nach dem Ende der sowjetischen Besatzung Zugriff auf Akten einer 66 Jahre zurück­liegenden Verurteilung wegen Doppel­mordes zweier Polizisten bekamen, konnte der inzwischen 85Jährige wegen dieser bis dahin un­gesühnten Verbrechen zu sechs Jahren Freiheits­entzug verurteilt werden. Mielke verbüßte mehr als zwei Drittel seiner Haft und entschlief mit 92 Jahren in einem Berliner Altenheim. Auch er bestritt bis zum Ende jede juristische oder moralische Schuld.
  Egon Krenz hat bereits 1990, nach dem eiligen Verfassen eines Buchs, in dem er persönliche Schuld einräumt und Unrecht bedauert, einen Wieder­aufnahme­antrag in die einst­malige SED gestellt, die nunmehr in PDS um­benannt war. Abgelehnt. Nach dem Absitzen von vier Jahren seiner sechs­einhalb­jährigen Haft­strafe hat der ehemalige Vorsitzende es 2009 über inner­parteiliche Für­sprecher noch einmal versucht - inzwischen bei der Nachfolge­partei „Die Linke“. Erneute Ablehnung. Krenz muss draußen bleiben.
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Kritiken
Authentische Zeitreise. 1989: ein Schicksalsjahr – nicht nur für das Land, in dem Anne (Josefine Preuß) lebt, sondern auch für sie. Ihr Verhältnis zur DDR ist gespalten. Ihre Mutter wurde vor Jahren in den Westen abgeschoben, weil sie für Wolf Biermann auf die Straße ging. Ihr Vater ist ein Duckmäuser, der um seine Anstellung am Ost-Berliner Theater bangt. ... So bekommt er auch nicht mit, dass Anne schwanger ist. Er weiß noch nicht einmal, dass das Kind von Matti (Marc Benjamin) ist – ausgerechnet dem Sohn seines Erzfeinds Harry (Devid Striesow) am Theater. Matti reagiert nicht gerade euphorisch, als er es von Anne erfährt. Also steht ihr Entschluss fest: sie will rübermachen in den Westen zu ihrer Mutter, zur Not allein. Ihr Vater ist sowieso viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Otto Wolf (Jörg Schüttauf) ist Vollblut-Schauspieler. Gemeinsam mit seinen Kollegen plant er ein Stück über die scheidende DDR. Otto spielt Honecker und das so überzeugend, dass sich die Stasi an seine Fersen heftet, als sie ihn in voller Verkleidung vor dem Theater mit Anne in seinen Armen erblickt. Während seine Tochter auf dem Weg zur Demo nach Leipzig ist, um sich dort einen Pass für die Ausreise zu besorgen, versucht Otto sein Schauspieltalent dafür zu nutzen, den Einsatz von Panzern bei der Montagsdemo zu verhindern. Das Chaos ist vorprogrammiert in dieser recht launigen Verwechslungskomödie alter Schule. Das wunderbare Ensemble zeigt Spielfreude, allen voran Jörg Schüttauf („Berlin is in Germany“), der einen wahrhaft vortrefflichen „Honni“ gibt. Die Dekors sind voller Details, in denen sich jeder mit Ostbiographie sofort wiederfindet. Schließlich wuchs Regisseurin Franziska Meletzky („Nachbarinnen“) selbst in Leipzig auf. Sie verpasst ihrer Heimatstadt mit Hilfe der Technik eine authentische Zeitreise. mehr. (3,75 Sterne/lt/13.10.17)
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