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Filme > 1991 > Madame Bovary > Kritiken
Madame Bovary
Kinostart: 3.10.1991
ausgewählte Kritik
Emmas Ende. Der Roman von Flaubert war Mitte des 19. Jahrhunderts eine gesellschaftliche Bombe. Nicht nur wegen der sexuellen Freizügigkeit seiner Titelheldin Emma (Isabelle Huppert), sondern auch wegen ihrer eigenmächtigen Geldgeschäfte, die damals nicht nur unüblich, sondern auch für äußerst verwerflich gehalten wurden. So muss sie auch in beiderlei Hinsicht scheitern. Ihr Ehemann ist ein Langweiler, aber gesellschaftlich geachtet. ‘Charles Konversation ist platt wie ein Trottoir.‘ Ihre Liebhaber (Christophe Malavoy, Lucas Belvaux) enttäuschen sie, und der finanzielle Ruin treibt sie in den Selbstmord.
  Chabrol beweist hier, dass es auch in werkgetreuer Literatur kann. Der Off-Kommentar besteht aus Zitaten der Vorlage, wohl dosiert, nicht anklagend, nur beschreibend. ‘Ihre Liebe war ein wahrer Honigmond‘. Die Huppert trägt diesen Film. Sie blüht auf und verwelkt. Ihr Todeskampf ist das Bewegendste und Erschreckendste, was sie je abgeliefert hat. Und wie bei Flaubert ist die Erklärung: es war ihr Schicksal. Und wie bei ihm auch hat die Kirche keine Antworten. Wer von den allgemein akzeptierten Konventionen abweicht ist kompromittiert und steht außerhalb der Gesellschaft. Eine tolle Romanverfilmung mit einem Zeitbild, das völlig unaufgeregt daherkommt und eine Alltagsatmosphäre bietet, die sowohl in der detailgenauen Inneneinrichtung stimmt, wie auch für die in ihr lebenden Personen zutrifft. Professionelle Klasse. (3,75 Sterne/ZM/10.1.13)

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