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Filme > 2015 > Fräulein Julie > Kritiken
Miss Julie
Fräulein Julie
Kinostart: 22.1.2015
ausgewählte Kritik
Machtkämpfe. Was uns da Liv Ullmann anbietet ist ‘quite a schlauch‘, würden meine Freunde auf der Insel sagen. Hochkonzentriert muss man dabei sein, um die geschliffenen Dialoge nachzuvollziehen und zwar rasch und flexible. Die Theatervorlage von August Strindberg lugt durch alle Ritzen der Inszenierung. Liv Ullmann hat das Rad nicht erneut erfinden müssen. Nur was draus machen, hätte sie müssen. Und das ist ihr eigentlich nur in der zweiten Hälfte und der letzten Einstellung gelungen. Das kann man so nicht auf der Bühne gestalten. Ein optischen Ende wie ein Bild der Praeraphaeliten. Das lindert den Schmerz des Gesehenen der vorangegangenen Stunden und schafft einen versöhnlichen Ausklang.
  Auf der Achterbahn der Gefühle und Abhängigkeiten ging es zuvor im Eiltempo dahin. Hier kämpften vor und nach dem One-Night-Stand: Mann gegen Frau, Herrin gegen Diener, Verachtung gegen Unselbstständigkeit, Verletzung gegen Wohltat und Macht gegen Ohnmacht. Und das in über zwei Stunden. In der zweiten Hälfte wird etwas mehr Gas gegeben. Hier kochen die Emotionen hoch. Liv treibt die drei Akteure zur Höchstform. Die Herrin (Jessica Chastain) steht im Zentrum. Sie kann dem Diener (Colin Farrell) nicht widerstehen und bleibt als einziges Opfer auf der Strecke. Die Köchin (Samantha Morton) bleibt der ruhende Pol, die moralische Instanz, die am Ende in den Gottesdienst geht, obwohl sie eigentlich am meisten leidet. Der Diener bringt dem Grafen den Tee, hat seine Tochter vernascht und schweigt. Nachdem er alle Optionen mit ihr durchgespielt hat, legt er ihr wortlos ein Rasiermesser hin und geht.
  Dass Strindberg die Frauen nicht besonders mochte, weiß man. Das hilft einem hier aber nicht beim Verständnis. Er bohrt halt dicke Arthouse-Bretter, die auch bei Liv Ullmann nicht ganz zu Sperrholz werden. (2,5 Sterne/ZM/14.3.15)

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