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Christine Nöstlinger
Christine Nöstlinger war eine österreichische Schriftstellerin. Sie wurde am 13. Oktober 1936 an einem Dienstag in Wien geboren und ist am 28. Juni 2018 an einem Donnerstag in Wien verstorben. Sie ist 81 Jahre alt geworden.
Biografie
mini|Christine Nöstlinger (2012)
Christine Nöstlinger (* 13. Oktober 1936 in Wien-Hernals; † 28. Juni 2018 in Wien-Ottakring<ref></ref>) war eine österreichische Schriftstellerin, die als eine der wichtigsten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen gilt. FĂŒr ihr Werk wurde sie unter anderem mit dem Hans Christian Andersen Preis und dem Astrid-Lindgren-GedĂ€chtnis-Preis ausgezeichnet.

Leben
Christine Nöstlinger, geb. Draxler,<ref>[https://www.munzinger.de/search/portrait/Christine+N%C3%B6stlinger/0/15886.html munzinger.de: Christine Nöstlinger]</ref> bezeichnete sich als „wildes und wĂŒtendes Kind“, relativierte das aber in ihren Erinnerungen: „Ich war schon viel ‚frecher‘ als andere in meinem Alter und protestierte heftig, wenn mir etwas nicht gefiel, und das hatte einen einfachen Grund: Wir [meine Ă€ltere Schwester Elisabeth und ich, Anm.] waren die einzigen Kinder weit und breit, die daheim keine Watschen und keine Strafen bekamen. Da kann man leicht wĂŒtend und wild werden.“<ref> |Abruf=2018-07-20}}</ref>

Sie stammte aus einer Arbeiterfamilie; der Vater Walter Göth (†&nbsp;1975) war Uhrmacher, die Mutter Michaela Erzieherin im Kindergarten. Beide hatten als Sozialisten unter dem Nationalsozialismus zu leiden. Ihre Mutter ließ sich unter Schwierigkeiten krankheitsbedingt frĂŒhpensionieren, um die ihr anvertrauten Kinder nicht mit nationalsozialistischem Lied- und Gedankengut indoktrinieren zu mĂŒssen.<ref> |Abruf=2018-07-20}}</ref> Das VerhĂ€ltnis von Nöstlinger zu ihrer Mutter war schwierig,<ref> |Abruf=2018-07-20}}</ref> hingegen war der Vater ihr „Ein und Alles“.<ref> |Abruf=2018-07-20}}</ref> Über ihn sagte sie: „Die Liebe meines Vaters ist in allem, was ich tue, gegenwĂ€rtig.“<ref>Zit.&nbsp;n. Yvonne Staat: Die Liebe, die fehlt. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 1. Januar 2017.</ref>

Sie legte die Matura ab und wollte Malerin werden, studierte dann aber Gebrauchsgrafik an der Akademie fĂŒr angewandte Kunst. Nach der ersten Ehe, die 1957 geschieden wurde, heiratete sie 1959 den Journalisten Ernst Nöstlinger (†&nbsp;2009).

Die Schriftstellerin bekam zwei Töchter (*&nbsp;1959 und *&nbsp;1961), wobei die Àltere<!-- sic! Hier Kleinschreibung, da Bezugsnomen (Töchter) im selben Satz --> aus erster Ehe stammt, aber erst nach der erneuten Heirat geboren wurde.<ref> |Abruf=2009-05-25}}</ref><ref> |Abruf=2018-07-20}}</ref>

Seit 1970 veröffentlichte sie eine Vielzahl von BĂŒchern. Im Brotberuf arbeitete sie allerdings jahrelang tagtĂ€glich fĂŒr eine Tageszeitung, schrieb DrehbĂŒcher fĂŒr den ORF und moderierte eigene Sendungen im ORF-Hörfunk.<ref>[https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/eins-zu-eins-der-talk/christine-noestlinger-eins-zu-eins-der-talk-100.html br.de: n memoriam Christine Nöstlinger, Kinderbuchautorin]</ref>

Im Mai 2015 hielt sie bei der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen im historischen Sitzungssaal des österreichischen Parlaments eine Rede ĂŒber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.<ref></ref>
mini|hochkant=0.70|GrabstÀtte von Christine Nöstlinger
Zuletzt lebte Christine Nöstlinger abwechselnd in Wien Brigittenau (20. Bezirk) und auf einem Bauernhof in Altmelon im niederösterreichischen Waldviertel. Sie schrieb vor allem Kinder- und JugendbĂŒcher, war aber auch fĂŒr Fernsehen, Radio und Zeitschriften tĂ€tig.

2010 wurde bei Christine Nöstlinger GebĂ€rmutterkrebs festgestellt. Zuvor hatte sie eine Brustkrebserkrankung ĂŒberstanden.<ref></ref> Die langjĂ€hrige Raucherin litt auch an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung.<ref></ref>

Christine Nöstlinger wurde am 13. Juli 2018 auf dem Hernalser Friedhof (Gruppe 13, Nummer 6) in Wien bestattet. Ihrem Wunsch entsprechend wurde ihr Tod erst danach publiziert.<ref></ref>

Wenn einer etwas so dringend zu erledigen hat wie ich damals, wenn einer so zornig und wĂŒtend ist, dann kann der nicht richtig sterben, weil er keine Ruhe hat. Mit diesem Zitat von Rosa Riedl, Schutzgespenst, aus dem Werk von Christine Nöstlinger beendete die Autorin Julya Rabinowich ihren unter dem Titel Herrliche Grantlerin erschienenen Nachruf.<ref>In: Die Zeit. Hamburg, Nr. 30, 19. Juli 2018, S. 44.</ref>

Im MĂ€rz 2019 wurde in der Bezirksvertretungssitzung in Wien-Hernals die Umbenennung des Lidlparks in Nöstlinger-Park beschlossen.<ref name="OTS_20190306_OTS0191">[https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190306_OTS0191/gruene-hernals-hernals-gedenkt-christine-noestlinger-und-frederic-morton GrĂŒne Hernals: Hernals gedenkt Christine Nöstlinger und Frederic Morton]. OTS-Meldung vom 6. MĂ€rz 2019, abgerufen am 11. MĂ€rz 2019.</ref>

KĂŒnstlerisches Schaffen
Christine Nöstlinger zĂ€hlt mit ĂŒber 100 BĂŒchern zu den bekanntesten und einflussreichsten Kinderbuchautoren des deutschen Sprachraums. Ihr Werk wurde in zahlreiche Sprachen ĂŒbersetzt und mit international renommierten Preisen ausgezeichnet (Hans-Christian-Andersen-Medaille, Astrid-Lindgren-Memorial-Award).

Ihr literarisches Schaffen begann mit dem 1970 veröffentlichten Kinderbuch Die feuerrote Friederike, das ursprĂŒnglich von ihr selbst, in einer 1997 erschienenen Ausgabe dann von ihrer Ă€lteren Tochter, Barbara WaldschĂŒtz, illustriert wurde. Dieses Buch war ursprĂŒnglich ein Bilderbuch, die Geschichte kam erst spĂ€ter dazu.<ref>Interview in Kölner Stadt-Anzeiger. Magazin vom 15. Oktober 2011, S. 24.</ref> Auch ihre zweite Tochter, Christiane Nöstlinger, illustriert nebenberuflich KinderbĂŒcher.

Christine Nöstlinger befasst sich in ihren BĂŒchern vor allem mit kindlichen BedĂŒrfnissen und greift AutoritĂ€ts- und Emanzipationsfragen auf. In ihren Werken tauchen zahlreiche negative und positive Außenseiterfiguren auf, an denen sie beispielsweise die Problematik der Einsamkeit (Das Austauschkind), der IdentitĂ€tssuche (Gretchen Sackmeier) oder der pubertĂ€ren Sinnkrise (Ilse Janda, 14) aufzeigt. Ganz im Zeichen der in den 70er Jahren aufkommenden „realistischen Kinder- und Jugendliteratur“ stellte sie in ihren Familiengeschichten unter anderem immer wieder Eheprobleme der Eltern dar – fĂŒr die damalige Zeit ein umstrittenes Novum in der Kinder- und Jugendliteratur.

Politische und gesellschaftskritische Aspekte kennzeichnen Christine Nöstlingers literarisches Werk in besonderer Weise. PrĂ€gend war in dieser Hinsicht ihre eigene Kindheit wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs (aufgearbeitet unter anderem in MaikĂ€fer flieg! und Zwei Wochen im Mai). In Wir pfeifen auf den Gurkenkönig und Rosa Riedl Schutzgespenst zeichnet sie ein groteskes Bild des (familiĂ€ren) Alltagsfaschismus. Eines ihrer dringlichsten Themen ist der Widerstand gegen Anmaßung, UnterdrĂŒckung und Ungerechtigkeit in jeglicher Form. Den revolutionĂ€r-didaktischen Impetus ihrer Geschichten hat sie in den letzten Jahren zugunsten eines tröstlicheren Tons aufgegeben. Eine erzieherische Wirkung erwartet sie sich von Literatur nicht (mehr).

Neben ihren standarddeutschen Werken veröffentlichte sie auch einige Werke in Mundart, etwa den 1974 erschienenen Gedichtband Iba de gaunz oaman kinda (als Iba de gaunz oamen Leit 1994 und 2009 neu aufgelegt; dieser Band enthĂ€lt außerdem die Gedichtzyklen Iba da gaunz oamen Fraun sowie Iba de gaunz oamen Mauna). Dabei verwendete Nöstlinger den Wiener Dialekt ganz bewusst als literarisches Ausdrucksmedium. Generell sind ihre Texte – Romane, Essays, Zeitungskolumnen und Lyrik – sowohl von der Wiener Alltagssprache als auch von Worterfindungen und lustvoll komponierter Kunstsprache gefĂ€rbt (Dschi Dsche-i Dschunior, Wir pfeifen auf den Gurkenkönig). Dies brachte ihr anfangs UnverstĂ€ndnis und Kritik ein, wird inzwischen aber als ihr spezifischer Sprachduktus anerkannt und geschĂ€tzt. Auch in dieser Hinsicht wirkte ihr Schaffen sowohl polarisierend als auch prĂ€gend auf die Entwicklung der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur.

In den 1990er und den 2000er Jahren veröffentliche Nöstlinger ĂŒberdies drei KochbĂŒcher: Mit zwei linken Kochlöffeln, Ein Hund kam in die KĂŒche und Das KĂŒchen-ABC.

Auszeichnungen (Auswahl)
 • 1972 Friedrich-Bödecker-Preis fĂŒr Die feuerrote Friederike
 • 1973 Deutscher Jugendliteraturpreis fĂŒr Wir pfeifen auf den Gurkenkönig
 • 1974 Österreichischer Staatspreis fĂŒr Kinder- und Jugendliteratur fĂŒr Achtung! Vranek sieht ganz harmlos aus
 • 1979 Mildred L. Batchelder Award fĂŒr Konrad oder das Kind aus der KonservenbĂŒchse
 • 1979 Österreichischer Staatspreis fĂŒr Kinder- und Jugendliteratur fĂŒr Rosa Riedl Schutzgespenst
 • 1979 UNIDA-Preis fĂŒr Hörfunk fĂŒr Dschi Dsche-i Dschunior
 • 1982 Zilveren Griffel fĂŒr MaikĂ€fer, flieg!
 • 1984 Hans Christian Andersen Preis
 • 1986 Johann-Nestroy-Ring
 • 1987 Österreichischer Staatspreis fĂŒr Kinder- und Jugendliteratur fĂŒr Der geheime Großvater
 • 1987 Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien fĂŒr Der geheime Großvater
 • 1990 La vache qui lit fĂŒr Der Zwerg im Kopf
 • 1990 Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien fĂŒr Anna und die Wut
 • 1991 Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien fĂŒr Sowieso und ĂŒberhaupt
 • 1993 Erster Preis der Stiftung Buchkunst
 • 1994 EA-Generali-Sonderpreis fĂŒr gewaltfreie Erziehung
 • 1997 Steirische Leseeule fĂŒr Am Montag ist alles ganz anders
 • 1998 Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels fĂŒr Toleranz in Denken und Handeln
 • 2002 Wildweibchenpreis: Literaturpreis fĂŒr Kinder- und Jugendliteratur der Gemeinde Reichelsheim
 • 2003 Astrid-Lindgren-GedĂ€chtnis-Preis (zusammen mit Maurice Sendak)
 • 2003 Österreichisches Ehrenkreuz fĂŒr Wissenschaft und Kunst, I. Klasse
 • 2009 Willy und Helga Verkauf-Verlon Preis fĂŒr antifaschistische österreichische Publizistik
 • 2010 Buchpreis der Wiener Wirtschaft
 • 2011 Corine-Ehrenpreis des Bayerischen MinisterprĂ€sidenten fĂŒr ihr Lebenswerk
 • 2011 Großes Ehrenzeichen fĂŒr Verdienste um die Republik Österreich
 • 2011 Bruno-Kreisky-Preis fĂŒr das politische Buch: Sonderpreis fĂŒr ihr Gesamtwerk
 • 2011 Zehn besondere BĂŒcher zum Andersentag fĂŒr Lumpenloretta
 • 2014 Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis fĂŒr Als mein Vater die Mutter der Anna Lachs heiraten wollte
 • 2016 Lebenswerk-Preis des österreichischen Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit und Frauen

Soziales Engagement
1997 bis 1998 war Nöstlinger Ehrenvorsitzende von SOS Mitmensch.

Werke

Verfilmungen
 • 1974: Wir pfeifen auf den Gurkenkönig – Regie: Hark Bohm, nach dem gleichnamigen Roman
 • 1976: Die Ilse ist weg
 • 1982: Konrad aus der KonservenbĂŒchse – Regie: Claudia Schröder
 • 1987: Der liebe Herr Teufel – Regie: Sepp Strubel, Spiel der Augsburger Puppenkiste
 • 1991: Der Zwerg im Kopf – Regie: Claudia Schröder
 • 1991: Sowieso und ĂŒberhaupt (TV-Serie in 6 Teilen) – Regie: Anton Reitzenstein u. a.<ref></ref>
 • 1992: Vier Frauen sind einfach zuviel – Regie: Hartmut Griesmayr – Drehbuch
 • 1993: Ein Wahnsinnskind – Fernsehserie (6 Folgen Ă  30 min) nach dem Roman Einen Vater hab ich auch
 • 1994: Eine Dicke mit Taille – Regie: Heide Pils – Drehbuch
 • 1994: Rosa, das Schutzgespenst – Regie: VĂ©ra PlĂ­vovĂĄ-SimkovĂĄ, DrahomĂ­ra KrĂĄlovĂĄ
 • 1998: Die 3 PostrĂ€uber – Regie: Andreas Prochaska
 • 2004: Villa Henriette – Regie: Peter Payer (auch Cameo-Auftritt)
 • 2016: MaikĂ€fer flieg – Regie: Mirjam Unger

Radio
 • 1979: Der „Dschi Dsche-i Wischer Dschunior“ wurde in einer tĂ€glichen Serie im ORF-Ö3-Wecker ausgestrahlt.
 • 2003–2018: Rudi! Radio fĂŒr Kinder

Literatur
 • Sabine Fuchs: Christine Nöstlinger. Eine Werkmonographie. Dachs, Wien 2001, ISBN 3-85191-243-8 (Dissertation TU Berlin 2000, 239 Seiten, 21 cm).
 • Sabine Fuchs, Ernst Seibert (Hrsg.): 
 weil die Kinder nicht ernst genommen werden. Zum Werk von Christine Nöstlinger (= Kinder- und Jugendliteraturforschung in Österreich. Band 4). Sammelband des internationalen Symposions, Praesens, Wien 2003, ISBN 3-7069-0187-0.
 • Christine Nöstlinger: Geplant habe ich gar nichts. AufsĂ€tze, Reden, Interviews. Zum 60. Geburtstag. Dachs Verlag, Wien 1998, ISBN 3-85191-087-7.
 • Ursula Pirker: Christine Nöstlinger. Die Buchstabenfabrikantin. Molden, Wien 2007, ISBN 978-3-85485-197-4.
 • Christine Nöstlinger: GlĂŒck ist was fĂŒr Augenblicke. Erinnerungen. Nach aufgezeichneten GesprĂ€chen mit Doris Priesching. Mit einer Bibliographie von Sabine Fuchs, Residenz, St. Pölten / Salzburg / Wien 2013, ISBN 978-3-7017-3303-3.

Einzelnachweise
<references />
Filmografie
Hinter der Kamera
Villa Henriette 2005 (Buch)
Vor der Kamera
Villa Henriette 2005 (Hausmeisterin)
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