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Jean Jülich
Jean Jülich war ein deutscher Widerstandskńmpfer, Mitglied der K÷lner Edelwei▀piraten und Gerechter unter den V÷lkern. Er wurde am 18. April 1929 an einem Donnerstag in K÷ln geboren und ist am 19. Oktober 2011 an einem Mittwoch in K÷ln verstorben. Er ist 82 Jahre alt geworden.
Biografie
mini|Jean J├╝lich 2007
Jean J├╝lich (* 18. April 1929 in K├Âln; ÔÇá 19. Oktober 2011<ref>www.report-k.de: [http://www.report-k.de/content/view/45304/ Edelwei├č-Pirat Jean J├╝lich verstorben]; Meldung vom 19. Oktober 2011.</ref> ebenda) war ein deutscher Widerstandsk├Ąmpfer. Er war w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Ehrenfelder Gruppe. Diese war Teil der Edelwei├čpiraten, einer jugendlichen Protestbewegung, die unter anderem in K├Âln gegen die Nationalsozialisten Widerstand leistete. Er wurde 1984 von der Gedenkst├Ątte Yad Vashem als Gerechter unter den V├Âlkern geehrt. J├╝lich war von 2003 bis 2008 Beiratsmitglied des im gleichen Jahr gegr├╝ndeten ÔÇ×Komitees f├╝r eine demokratische UNOÔÇť.<ref>Komitee f├╝r eine demokratische UNO: [http://www.kdun.org/associates/alumni-associates/ Associates of KDUN: Alumni Associates]</ref>

Geschichte
mini|hochkant|Jean J├╝lich beim Edelwei├čpiratenfestival im Friedenspark in K├Âln am 17. Juni 2007
J├╝lich war Sohn eines KPD-Funktion├Ąrs. 1942 stie├č er mit dreizehn Jahren zu den Jungen und M├Ądchen der Edelwei├čpiraten, die sich jeden Abend in S├╝lz auf dem Manderscheider Platz trafen. Aktionen der Gruppe beinhalteten u.&nbsp;a., Propagandaplakate zu ├╝bermalen und Munitionsz├╝ge entgleisen zu lassen. J├╝lich wurde zusammen mit Heinz Wunderlich und Willi Colling durch seinen Schulfreund und sp├Ąteren Mitgefangenen der Gestapo Ferdinand Steingass in die Gruppe eingef├╝hrt. Der harte Kern der Widerst├Ąndler hielt sich in K├Âln-Ehrenfeld in den zerbombten H├Ąusern versteckt.

Auch ├Ąu├čerlich unterschieden sich die Edelwei├čpiraten sehr von den Mitgliedern der Hitlerjugend. Sie trugen lange Haare, karierte Hemden und Halst├╝cher. In einer Zeit, in der nur wenig Widerstand geleistet wurde, sangen sie: ÔÇ×Ja, wo die Fahrtenmesser blitzen und die Hitlerjungen flitzen und die Edelwei├čpiraten hintendrein / was kann das Leben uns denn schon geben, wir wollen frei von Hitler sein.ÔÇť Trotzdem ÔÇô so berichtete J├╝lich&nbsp;ÔÇô war es nicht ihre Sache, tiefsinnige politische Diskussionen zu f├╝hren. Am Wochenende fuhren sie ins Siebengebirge zum Blauen See, wo sie sich mit bis zu 250 Jugendlichen aus D├╝sseldorf, Wuppertal, Solingen und K├Âln trafen.

In Ehrenfeld bildeten sich zu dieser Zeit weitere Gruppen von Edelwei├čpiraten. Einige von ihnen gingen 1944 zusammen mit Hans Steinbr├╝ck, einem ehemaligen H├Ąftling des KZ-Au├čenlagers K├Âln-Messe, der zu einem Bombenr├Ąumkommando eingeteilt worden war und dabei hatte fliehen k├Ânnen, in den Untergrund. Diese Struktur wurde f├╝r Deserteure, Zwangsarbeiter und Juden von lebensrettender Bedeutung. Da sie in ihrer Situation der Flucht und Verfolgung keine Lebensmittelkarten bekamen und keine Wohnungen mieten konnten, musste das Leben gemeinschaftlich illegal organisiert werden. In Ehrenfeld wurden die Edelwei├čpiraten bald f├╝r alles verantwortlich gemacht, wenn irgendwo etwas abhandenkam. Gemeinsam mit Deserteuren und Zwangsarbeitern bildeten Edelwei├čpiraten mit Hans Steinbr├╝ck und seiner schwangeren Lebensgef├Ąhrtin Cilly Serv├ę eine Widerstandsgruppe.

Durch den Kontakt ├╝ber Barthel Schink stie├č J├╝lich dazu, der damals bei seinen Gro├čeltern in S├╝lz lebte. J├╝lichs Vater sa├č im Zuchthaus; als Kommunist war er schon 1932 in den Untergrund gegangen. Seine Mutter musste f├╝r ihren Lebensunterhalt hart arbeiten und konnte sich nicht um ihn k├╝mmern. Gleichzeitig radikalisierten sie ihren Widerstand gegen die Nazis. So erschoss Roland Lorent am 28. September 1944 den NS-Mann Soentgen, der wegen seiner Denunziationen, die viele Menschen das Leben gekostet hatten, besonders verhasst war. Als die M├Âglichkeit bestand, an Sprengstoff heranzukommen, planten sie, die K├Âlner Zentrale der Gestapo in die Luft zu sprengen. J├╝lich organisierte die notwendigen Z├╝nder, ging nicht mit in den K├Âln-Ehrenfelder Untergrund, musste aber mehrfach gegen Verd├Ąchtigungen und auf Vorladungen in Sachen Edelwei├čpiraten reagieren, Geschichten erfinden und Verh├Âren standhalten.

Gestapo-Haft
1944 wurde J├╝lich von der Gestapo verhaftet und im K├Âlner Gestapo-Hauptquartier, dem ÔÇ×EL-DE-HausÔÇť, f├╝r dessen geplante Sprengung er Z├╝nder besorgt hatte, wochenlang verh├Ârt und gefoltert. Seine Identit├Ąt als Edelwei├čpirat galt es um der erhofften Freiheit willen zu leugnen, was ihm auch gelang. Aufgrund dieser Folterprotokolle wurde ihm von seinen Gegnern abgesprochen, Edelwei├čpirat zu sein. Amtlich galt er bis 2003 weiterhin als Krimineller, als den ihn die Gestapo bezeichnet hatte. Mit dem ├ťberleben verband er die Vorstellung, in der ÔÇ×Anonymit├Ąt eines KZsÔÇť vor der Folter fliehen zu k├Ânnen, ohne dass ihm damals die Realit├Ąt eines KZs bekannt war, wie er sp├Ąter feststellen musste. Seine Kameraden, darunter Hans Steinbr├╝ck, J├╝lichs Freund Barthel Schink und elf weitere, wurden von den Nazis einen Monat sp├Ąter, am 10. November 1944 ├Âffentlich am Ehrenfelder Bahnhof erh├Ąngt. J├╝lich und seine Freunde erfuhren von der Hinrichtung durch eine Gruppe von Mitgliedern der kommunistischen Widerstandsgruppe NKFD. Bis zum Ende des Krieges blieb der damals 15-j├Ąhrige im Gestapogef├Ąngnis der Abtei Brauweiler, in Zuchth├Ąusern von Siegburg, Butzbach und schlie├člich im Jugendgef├Ąngnis Rockenberg ohne Urteil in Haft und musste gegen Misshandlungen, Krankheiten und Unterern├Ąhrung um sein ├ťberleben k├Ąmpfen.

Als Ende M├Ąrz 1945 endlich die amerikanischen Panzer vor J├╝lichs Gef├Ąngnis standen, waren viele andere H├Ąftlinge an Folterungen oder Krankheiten gestorben.

Weiteres Wirken
Auch nach dem Ende des Krieges engagierte sich J├╝lich weiterhin f├╝r die Belange von Bed├╝rftigen. So organisierte und moderierte er jahrelang die Benefiz-Karnevalssitzung Die l├Âstige&nbsp;1, die ganz klein in einer Gastst├Ątte begann und zum Schluss die M├╝lheimer Stadthalle f├╝llte.<ref>www.report-k.de:[http://www.report-k.de/content/view/7610/126/ Die l├Âstige 1: Einer allein am├╝siert alle ÔÇô Jean J├╝lich]; Meldung vom 23. Januar 2008.</ref> J├╝lich war lange Zeit Wirt der legend├Ąren K├Âlner Musikkneipe Blomek├Ârvge, wo unter anderen die Bl├Ąck F├Â├Âss und BAP auftraten.<ref>Frankfurter Rundschau vom 15. Juli 2004:[http://www.report-k.de/content/view/7610/126/ Online]Von Edelwei├čpiraten Jean J├╝lich sieht sich doch nicht als Widerstandsk├Ąmpfer</ref> F├╝r sein Engagement als P├Ąchter der Severinstorburg und B├╝rger des Severinsviertels erhielt er 2006 den Severins-B├╝rgerpreis und wurde sp├Ąter auch als Jury-Mitglied in den Vorstand des gleichnamigen Vereins gew├Ąhlt.<ref> (abgerufen am 25. Oktober 2011; PDF; 128&nbsp;kB)</ref>

Sp├Ąte Ehrungen
Gegen das Vergessen der Ereignisse in der nationalsozialistischen Zeit engagierte er sich ganz besonders, deshalb wurde er 1991 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Zusammen mit den Edelwei├čpiraten Gertrud Koch und Peter Sch├Ąfer trat er mit verschiedenen Publikationen, Vortr├Ągen und Aktionen hervor. Daf├╝r zeichnete der Landschaftsverband Rheinland im Mai 2007 alle drei mit dem Rheinlandtaler aus.<ref>Landschaftsverband Rheinland: ; Meldung vom 23. Mai 2007.</ref>
mini|Grab auf dem K├Âlner S├╝dfriedhof
2008 erhielt er zusammen mit den ehemaligen Mitgliedern der Edelwei├čpiraten Gertrud Koch, Wolfgang Schwarz und Fritz Theilen in D├╝sseldorf die Heine-B├╝ste. Die vom D├╝sseldorfer Freundeskreis Heinrich Heine verliehene Auszeichnung w├╝rdigt damit seine au├čerordentlichen Aktivit├Ąten im Sinne des kritischen Geistes.

Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande durch J├╝rgen Roters im April 2011 an die ├╝brigen f├╝nf noch lebenden Mitglieder der K├Âlner Widerstandsgruppen war J├╝lich Ehrengast.<ref>Mattias Pesch: Edelweisspiraten ÔÇ×Vorbilder an ZivilcourageÔÇť, in: K├Âlner Stadtanzeiger vom 14. April 2011, S. 26 [http://www.ksta.de/edelweisspiraten--vorbilder-an-zivilcourage--12469978 online](Zugriff 23. Juni 2016).</ref>

Seine Grabst├Ątte befindet sich auf dem K├Âlner S├╝dfriedhof (Flur 2).

Zwei Jahre nach seinem Tod wurde in der N├Ąhe seiner Wohnung in der S├╝dstadt ein Fu├čweg zwischen der Karl-Korn-Stra├če und dem Rondell in der Siedlung Stollwerckhof nach ihm benannt. Bei der Einweihung waren etwa 200 Personen, darunter seine Witwe Karin, zugegen. Rolly Brings und die Kneipenchor Singender Holunder sangen einige seiner Lieder.<ref>K├Âlner Stadt-Anzeiger vom 23./24. November 2013, S. 36</ref>

Film
 • Nachforschungen ├╝ber die Edelwei├čpiraten (1980) von Dietrich Schubert in Zusammenarbeit mit dem ZDF
 • Edelwei├čpiraten (2004) von Niko von Glasow

Literatur
 • Jean J├╝lich: Kohldampf, Knast un Kamelle ÔÇô Ein Edelwei├čpirat erz├Ąhlt aus seinem Leben. Kiepenheuer & Witsch, 2003, ISBN 3462035401.
 • Thomas Goebel: Litfa├čs├Ąulen des Widerstands ÔÇô Edelwei├čpirat Jean J├╝lich. StadtRevue K├Âln Magazin, [http://www.stadtrevue.de/archiv/archivartikel/494-litfasssaeulen-des-widerstands/ Artikel]
 • [http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/J/Seiten/JeanJuelich.aspx Ansgar S. Klein: Jean J├╝lich (1929ÔÇô2011), Edelwei├čpirat], Biographie beim Landschaftsverband Rheinland.

Nachrufe
 • Roland Kaufhold: [http://www.hagalil.com/archiv/2011/10/30/juelich/ ÔÇ×E H├Ątz so jro├č wie ne St├Ą├ĄnÔÇť ÔÇô Zum Tode von Jean J├╝lich.] haGalil.com, 30. Oktober 2011.
 • [http://rechte-jugendbuende.de/?p=1720#more-1720 Zum Tod von Jean J├╝lich,] Rechte-Jugendb├╝nde.de, 28. Oktober 2011.

Einzelnachweise
<references />
Filmografie
Vor der Kamera
Edelweißpiraten 2005 (Alter Karl)
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