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Susan Sontag
Susan Sontag war eine US-amerikanische Schriftstellerin, Essayistin und Publizistin. Sie wurde am 16. Januar 1933 an einem Montag in New York City als Susan Rosenblatt geboren und ist am 28. Dezember 2004 an einem Dienstag in New York City verstorben. Sie ist 71 Jahre alt geworden.
Biografie
mini|Susan Sontag (1979)
mini|Juan Bastos: Susan Sontag (2009)
Susan Sontag, geborene Rosenblatt, (* 16. Januar 1933 in New York City, New York; † 28. Dezember 2004 ebenda) war eine amerikanische Schriftstellerin, Essayistin, Publizistin und Regisseurin. Sie war bekannt für ihren Einsatz für Menschenrechte sowie als Kritikerin der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika.<ref>Thomas Kleine-Brockhoff: [http://www.zeit.de/2003/27/Susan_Sontag Die Revisionistin..] In: Die Zeit, 26. Juni 2003.</ref>

Leben
Susan Sontag wurde als Tochter des Exportkaufmanns Jack Rosenblatt und der Lehrerin Mildred Jacobsen geboren, beide jüdischer Herkunft. Während die Eltern in der Republik China waren, wurde sie von den Großeltern aufgezogen. Ihr Vater erkrankte und starb an Tuberkulose, als sie fünf Jahre alt war. Die Mutter, die sie als lieblos beschrieb, heiratete sieben Jahre später Nathan Sontag, einen U.S. Army Captain. Susan und ihre Schwester Judith übernahmen den Nachnamen des Stiefvaters, obwohl er sie nicht adoptierte.

1949 ging Susan Sontag zunächst an die University of California, Berkeley, wechselte aber noch im selben Jahr an die University of Chicago und studierte Literatur, Theologie und bei Leo Strauss Philosophie. Früh entwickelte sie eine Leidenschaft für deutschsprachige Literatur; im Dezember 1949 besuchte sie Thomas Mann, dessen Werk sie bis zu ihrem Tod verbunden blieb, in seinem kalifornischen Exil.<ref></ref> 1950 heiratete sie – mit 17 Jahren – den Soziologen Philip Rieff, an dessen Lehrveranstaltungen sie teilnahm. Mit ihm gemeinsam veröffentlichte sie eine Studie über den Einfluss von Sigmund Freud auf die moderne Kultur (Freud: The Mind of the Moralist). Nach zwei Jahren kam ihr Sohn David zur Welt. 1958 erfolgte die Scheidung von Philip. 1956 besuchte sie in Harvard ein Seminar über Klassische Deutsche Philosophie bei Paul Tillich. Dort schrieb sie ihre Doktorarbeit in Philosophie. In Harvard lernte sie Jacob und Susan Taubes kennen, die gemeinsam mit Tillich zu ihren Mentoren und Förderern wurden.<ref>[http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/specials/51617/index.html Grande Dame der US-Literatur. Zum 80. Geburtstag von Susan Sontag] auf 3sat.de, abgerufen am 17. Mai 2017</ref> Herbert Marcuse bezeichnete sie als ihren Freund und Hannah Arendt lernte sie kennen, als sie mit Mitte 20 nach New York zog.<ref>[http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/sixcms/media.php/1290/2003%20Friedenspreis%20Reden.pdf Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.] auf friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de, abgerufen am 17. Mai 2017</ref> Von 1988 bis zu ihrem Tod lebte sie in einer Beziehung mit der Fotografin Annie Leibovitz.
miniatur|hochkant|Susan Sontags Grab auf dem Cimetière Montparnasse
Susan Sontag wohnte im New Yorker Stadtteil Chelsea. Als öffentlich stark wahrgenommene Intellektuelle war sie u. a. im New York Institute for the Humanities aktiv, zu dessen Mitgliedern sie gehörte. Sie trat als scharfe Kritikerin der Regierung Bush jr., insbesondere des Irakkriegs, in Erscheinung. Neben Mary McCarthy und Joan Didion galt sie als die US-amerikanische femme de lettres.

Große Anerkennung fanden ihre Essays zur Ästhetik und Hermeneutik in Fotografie, Film, Literatur und Kunst. Umstritten war ihre Haltung zum Werk Hans-Jürgen Syberbergs, dessen Film Hitler, ein Film aus Deutschland (1977) sie gelobt hatte. In verschiedenen Bereichen war sie auch für Theater und Film tätig. 1993 inszenierte sie während des Bosnienkrieges in Sarajevo das Theaterstück Warten auf Godot von Samuel Beckett.

Sontag starb Ende 2004 im Alter von 71 Jahren in New York an Leukämie und wurde auf dem Cimetière Montparnasse in Paris beigesetzt.
Über ihre letzten Tage schrieb ihr Sohn, der Journalist und Autor David Rieff, das Buch Tod einer Untröstlichen, das 2009 im Carl Hanser Verlag erschien.

Auszeichnungen (Auswahl)
 • 1979 wurde Sontag zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters gewählt, 1993 zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. 1990 war sie MacArthur Fellow.
 • Im Jahr 2000 wurde Sontags Roman In America mit dem National Book Award ausgezeichnet, dem bedeutendsten Buchpreis der USA.
 • Im Mai 2001 bekam sie den Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft während der israelischen Buchmesse in Jerusalem. Bei seiner Entgegennahme sorgte sie mit heftiger Kritik am Staat Israel und dessen Politik in den Palästinensischen Autonomiegebieten für Aufsehen.
 • Im Sommersemester 2003 hatte Susan Sontag die Tübinger Poetik-Dozentur inne und wurde für ihre Leistungen mit dem Ehrendoktor der Universität Tübingen ausgezeichnet.
 • Sontag wurde als Vermittlerin zwischen den Vereinigten Staaten und Europa am 12. Oktober 2003 in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Die Laudatio hielt Ivan Nagel, der die Preisträgerin als „gelernte Europäerin“ bezeichnete.<ref>[http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/sixcms/media.php/1290/2003%20Friedenspreis%20Reden.pdf Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.] In: friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de (PDF).</ref> Das demonstrative Fernbleiben des US-Botschafters Daniel Coats während der Zeremonie kritisierte Sontag in ihrer Dankesrede, in der sie die wachsende Kluft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zu überwinden suchte.
 • 2003 erhielt Sontag zusammen mit Fatima Mernissi den Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Geisteswissenschaften und Literatur.
 • Die Stadt Sarajevo hat am 14. Januar 2010 den Theatervorplatz nach ihr benannt.<ref></ref>

Werke (Auswahl)
Prosa
 • The Benefactor (1963, deutscher Titel Der Wohltäter ISBN 3-596-11414-4)
 • Death Kit (1967, deutscher Titel Todesstation ISBN 3-446-13128-0)
 • I, etcetera (1978, deutscher Titel Ich, etc. Erzählungen ISBN 3-446-20426-1)
 • The Vulcano Lover (1989, dt. Der Liebhaber des Vulkans, ISBN 3-596-10668-0)
 • In America (2000, deutscher Titel In Amerika ISBN 0-312-27320-7)

Theaterstücke
 • Alice in Bed, deutsch: Alice im Bett: Stück in acht Szenen, übersetzt von Wolfgang Wiens, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-88661-123-2
 • Baby U: Thalia Theater Hamburg 1994
 • Die Frau vom Meer U: Teatro Communale Ferrara 1998; DE: Deutsches Theater Berlin 2003

Essays und andere Schriften
 • Notes on „Camp“ 1964<ref>[http://interglacial.com/~sburke/pub/prose/Susan_Sontag_-_Notes_on_Camp.html Notes On "Camp"] In: interglacial.com (englisch)</ref>
 • Against Interpretation 1964<ref>[http://www.susansontag.com/SusanSontag/books/againstInterpExcerpt.shtml Against Interpretation] die ersten vier Abschnitte</ref>
 • Against Interpretation, and Other Essays (1966, deutscher Titel: Kunst und Antikunst. Essays. Carl Hanser Verlag, München 1980 ISBN 3-446-20428-8).
 • Trip to Hanoi (1969, deutscher Titel Reise nach Hanoi. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1969. – In dem darin enthaltenen Essay The Pornographic Imagination erläutert Sontag die Legitimität der Pornografie als literarisches Genre. Als Beispiele für anspruchsvolle im Gegensatz zu Trivialpornografie führt sie hierbei Pauline Réages Geschichte der O, Georges Batailles Die Geschichte des Auges und Catherine Robbe-Grillets L'Image an.)
 • Styles of Radical Will (1969, TB: Penguin 2009, ISBN 978-0-14-119005-1; deutsche Übersetzung von Jörg Trobitius: Gesten radikalen Willens. Essays, S. Fischer, Frankfurt 2011. ISBN 978-3-596-18945-8).
 • On Photography (1977, deutscher Titel Über Fotografie. Carl Hanser, München 1978. ISBN 3-446-12428-4)
 • Illness as Metaphor (1978, deutscher Titel Krankheit als Metapher. ISBN 3-446-20425-3)
 • Under the Sign of Saturn (1980, deutscher Titel Im Zeichen des Saturn. Essays über E. M. Cioran, Antonin Artaud, H. J. Syberberg, Roland Barthes, Leni Riefenstahl, Walter Benjamin, Elias Canetti. ISBN 3-446-13126-4).
 • Wallfahrt. (Über ihre Fahrt als Studentin zu Thomas Mann im Exil.) Akzente (Zeitschrift) H. 6, Dezember 1988, S. 523–546
 • * wieder in : Neue Deutsche Literatur, NDL. Monatsschrift für Literatur und Kritik. Jg. 37. H. 4. April 1989 = 436. Heft. Red. Walter Nowojski u.&nbsp;a. Aufbau-Verlag, Berlin, S. 149–170
 • Aids and Its Metaphors (1989, deutscher Titel Aids und seine Metaphern. In: Krankheit als Metapher. Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2003, ISBN 978-3-596-16243-7).
 • On Howard Hodgkin (1995, dtsch.: Über Howard Hodgkin. In: Howard Hodgkin. Retrospektive 1975 bis 1996. Ed. Tertium, Düsseldorf/Ostfildern 1996, ISBN 3-930717-37-9).
 • Regarding the Pain of Others (2003, deutscher Titel Das Leiden anderer betrachten. Hanser, München 2003, ISBN 3-446-20396-6 – Essay über die Kriegsfotografie, in dem Sontag teilweise die Aussagen ihres früheren Essays On Photography revidiert).
 • Geist als Leidenschaft. In: Hüter der Verwandlung. Beiträge zum Werk von Elias Canetti, S. 111–121.
 • Zur gleichen Zeit. Aufsätze und Reden. Carl Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-23004-0.<ref>Annette Brüggemann: [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/757006/ Der ununterbrochene Dialog.] In: Deutschlandfunk, 20. März 2008.</ref>
 • Wiedergeboren. Tagebücher 1947–1963. Herausgegeben von David Rieff, übersetzt von Kathrin Razum, Carl Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23944-9.
 • "Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke". Tagebücher 1964–1980. Hg David Rieff, Übers. Kathrin Razum. Carl Hanser, München 2013 ISBN 978-3-446-24340-8.
 • Susan Sontag, Jonathan Cott, Georg Deggerich (Übersetzer): The Doors und Dostojewski: Das Rolling-Stone-Interview., Hoffmann und Campe, Hamburg 2014, ISBN 3-455-50330-6.

Filmografie
Regie und Drehbuch
 • 1969: Duett för kannibaler (Duet for Cannibals)
 • 1971: Zwillinge (Brother Carl)
 • 1974: Promised Lands
 • 1983: Unguided Tour AKA Letter from Venice

Dokumentarfilme
 • 1966: Galaxy
 • 1979: Town Bloody Hall
 • 1983: Zelig (Interview)
 • 1984: Mauvaise conduite
 • 1987: Do Not Enter: The Visa War Against Ideas
 • 1991: Joseph Cornell: Worlds in a Box
 • 2003: Die Liebhaberin des Vulkans – Mit Susan Sonntag in New York
 • 2003: Campus, le magazine de l'écrit
 • 2006: Absolute Wilson
 • 2011: Susan Sontag. Denkerin und Diva / Une diva engagée / The glamour of seriousness (Regie: Birgitta Ashoff) <ref> bei arte.tv. Abgerufen am 24. August 2013.</ref>
 • 2014: Regarding Susan Sontag (Regisseurin: Nancy Kates)

Fernsehen
 • 1965: Monitor – (Folge: Always on Sunday) und (Folge: Cheese! Or What Really Did Happen in Andy Warhol's Studio) (TV–Serie)
 • 1972: Vive le cinéma – Episode vom 15. Oktober 1972 (TV–Serie)
 • 1984: Àngel Casas Show – (Episode 124) (TV–Serie)
 • 1989: The Poet Remembers (Spielfilm)
 • 1989: Everyman – Just an Illness (TV–Serie)
 • 2002: Negro sobre blanco – (Episode vom 8. Dezember 2002) (TV–Serie)
 • 2003: Alexandria – (Episode vom 11. November 2003) (TV–Serie)

Rezeption
Zu Susan Sontags zehntem Todestag veranstalteten im November 2014 die Münchner Kammerspiele in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Bayerischen Rundfunk und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München ein Symposium mit dem Titel Radikales Denken. Zur Aktualität Susan Sontags.<ref>[http://www.susan-sontag-symposium-2014.mimesis-doc.uni-muenchen.de/programm/index.html Programm des Symposiums], abgerufen am 2. Dezember 2014.</ref>, das Sontags Aktualität zeigt:

, S. 14.</ref>|Autor=Jens-Christian Rabe}}

Literatur
 • Gero von Boehm: Susan Sontag. 12. Mai 1989. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 201–209.
 • Jan Engelmann, Richard Faber, Christine Holste (Hrsg.): Leidenschaft der Vernunft. Die öffentliche Intellektuelle Susan Sontag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2009, ISBN 978-3-8260-4325-3.
 • Stephan Isernhagen: Susan Sontag. Die frühen New Yorker Jahre. Tübingen 2016, ISBN 978-3-16-153936-7.
 • Michael Krüger, interviewt von Petra Hallmayer: Denken als Lust. Michael Krüger eröffnet das Susan-Sontag-Symposion. Ein Gespräch mit dem Verleger über die große Essayistin. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 272, 26. November 2014, , S. R20.
 • Kai Sina: Susan Sontag und Thomas Mann. Wallstein, Göttingen 2017.
 • Daniel Schreiber: Susan Sontag. Geist und Glamour. (Biographie) Aufbau, Berlin 2007, ISBN 978-3-351-02649-3.<ref name="dr">Ursula März: [http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/724359/ Kultfigur der Literaturszene.] In: Deutschlandradio Kultur, 16. Januar 2008.</ref>
 • Anna-Lisa Dieter, Silvia Tiedtke (Hrsg.): Radikales Denken. Zur Aktualität Susan Sontags. Diaphanes, Zürich 2017, ISBN 978-3-03734-929-8.
 • David Rieff: Swimming in a Sea of Death. A Son’s Memoir. Simon & Schuster, 2008, ISBN 978-0743299473.<ref>Uwe Wittstock: [https://www.welt.de/kultur/article1631248/Das-oeffentliche-Sterben-der-Susan-Sontag.html Das öffentliche Sterben der Susan Sontag]. Rezension in Die Welt, 5. Februar 2008.</ref><ref>[http://www.nytimes.com/2008/02/03/books/chapters/1st-chapter-swimming-in-a-sea-of-death.html?_r=1&oref=slogin Das öffentliche Sterben der Susan Sontag], erstes Kapitel.</ref>
 • David Rieff: Tod einer Untröstlichen. Die letzten Tage von Susan Sontag. Übers. Reinhard Kaiser. Carl Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23522-9.
 • Tanja Zimmermann: Ein Kriegsfoto aus Bosnien. Beglaubigungen und Verweigerungen durch Ron Haviv, Susan Sontag und Jean-Luc Godard. In: Zwischen Apokalypse und Alltag. Kriegsnarrative des 20. und 21. Jahrhunderts. Hgg. Natalia Borissova, Susi K. Frank, Andreas Kraft. Transkript, Bielefeld 2009, ISBN 3837610454, S. 237–262.

Einzelnachweise
<references />

<!-- bitte im Art. belegen -->
Filmografie
Vor der Kamera
Absolute Wilson 2006 (Herself)
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