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Rudolf Augstein
Rudolf Augstein war ein deutscher Journalist, Verleger, Publizist und der Grnder des Magazins Der Spiegel. Er wurde am 5. November 1923 an einem Montag in Hannover als Rudolf Karl Augstein geboren und ist am 7. November 2002 an einem Donnerstag in Hamburg verstorben. Er ist 79 Jahre alt geworden.
Biografie
Rudolf Karl Augstein (* 5. November 1923 in Hannover; † 7. November 2002 in Hamburg; Pseudonyme u.a. Moritz Pfeil und Jens Daniel) war ein deutscher Journalist, Verleger, Publizist und der Gründer des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

Leben

Augstein wurde in Hannover geboren. Seine Mutter war Gertrude Maria Augstein und sein Vater Friedrich Augstein, ein ehemaliger Kamerafabrikant und Fotokaufmann („Photo Augstein”). Rudolf wuchs in einer bürgerlichen katholischen Familie auf und war das jüngste von sieben Kindern (fünf Schwestern, ein Bruder - Josef Augstein, später Rechtsanwalt in Hannover). Als Neunjähriger erlebte er die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Seine Eltern sandten ihn 1933 zunächst quer durch die Stadt auf das Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium (die heutige Helene-Lange-Schule) in den Arbeiterstadtteil Linden, da diese als wenig nationalsozialistisch beeinflusst galt.<ref>Bärbel Hilbig: Helene statt Kaiserin Auguste, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 9. September 2009, Seite 17</ref> Als diese 1939 zur Mädchenschule wurde, wechselte er zum Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium Hannover, das er 1941 mit dem Abitur verließ. Anschließend absolvierte er ein Volontariat beim Hannoverschen Anzeiger, die spätere Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ). Ab 1942 war Rudolf Augstein im Kriegsdienst als Funker und wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Rang eines Leutnants zum Artilleriebeobachter.

Gründer und Macher des Spiegels

Nach Ende des Krieges übernahm Augstein zusammen mit dem Fotografen Roman Stempka und dem Redakteur Gerhard R. Barsch in Hannover die Zeitschrift Diese Woche von der britischen Militärverwaltung. Sie war als Lizenzzeitung nach dem Vorbild der britischen „News Review” und des amerikanischen Time Magazine entwickelt worden. Am 4. Januar 1947 erschien die Erstausgabe des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL als Nachfolger von Diese Woche in Hannover. Augstein war zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt. Im Januar 1949 wurde Augstein erstmals vor Gericht bestellt, als er im Spiegel geschrieben hatte, dass bei einer Hausdurchsuchung beim Kieler Ex-Agrarminister Erich Arp Fleischbüchsen gefunden worden waren. Augstein wurde freigesprochen.

Als der Spiegel unter dem Titel „Bedingt abwehrbereit“ einen Artikel veröffentlichte, der gestützt auf vertrauliche Berichte zum NATO-Manöver Fallex 62 das Verteidigungskonzept der Bundeswehr in Frage stellte, ließ Verteidigungsminister Franz Josef Strauß im Oktober 1962 Augstein und sieben andere Mitarbeiter unter Verdacht des Landesverrats festnehmen (siehe Spiegel-Affäre). Die Festnahmen lösten eine Welle der Empörung aus. Nach 103 Tagen Untersuchungshaft wurde Augstein im Februar 1963 entlassen, Strauß zog sich daraufhin zeitweise in die bayerische Landespolitik zurück. Man sprach bereits vom „Anfang des Endes” der Ära Adenauers, der auch im gleichen Jahr zurücktrat. Kurz vor seinem Tod empfing Adenauer noch Augstein für ein Gespräch. 2007 wurde bekannt, dass Augstein in den 1950ern den Juristen Carl Schmitt um Beistand ersuchte und später für einige Zeit eine briefliche Korrespondenz mit ihm unterhielt. Schmitt war einer der prominentesten Juristen im Nationalsozialismus gewesen.<ref>[http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EB7A6EB4288F145B09CB74DAD45655775~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell Lutz Hachmeister und Stefan Krings: Spektakulärer Briefwechsel. Rudolf Augstein rief Carl Schmitt zu Hilfe]. In: FAZ, 23. August 2007.</ref>

In den 1960er-Jahren gründete Augstein die Rudolf Augstein Stiftung, die seinen Nachlass verwalten und unter anderem für mildtätige Zwecke einsetzen soll.

Buchautor und Maueröffnung

miniatur|Augsteins Grab auf dem Friedhof Keitum (Sylt)
In den darauffolgenden Jahren veröffentlichte Augstein mehrere Bücher. 1972 und 1973 saß er für die FDP, der er seit 1957 angehörte, im Bundestag. 1974 schenkte Augstein 50 Prozent des Unternehmens den Mitarbeitern des Spiegels. 1988 führte er mit dem damaligen Parteichef der KPdSU, Michail Gorbatschow, ein Gespräch über dessen Politik der Perestroika.

Kurz vor der Maueröffnung am 9. November 1989 schrieb der Spiegel-Chefredakteur Erich Böhme einen Kommentar, „warum ich nicht wiedervereinigt werden möchte”. Wenig später distanzierte sich Augstein von Böhmes Position. Obwohl er jahrelang die CDU-Politiker attackiert hatte, schrieb Augstein am 23. April 1990 im Spiegel-Kommentar: „Glückwunsch Kanzler”. 1998 kündigte Augstein an, dass er sich 2003 komplett aus dem Spiegel zurückziehen wolle. Am 26. August 2002 schrieb er seinen letzten Spiegel-Kommentar über die Irak-Politik der USA.

Rudolf Augstein starb am 7. November 2002 in Hamburg an den Folgen einer Lungenentzündung. Die Beisetzung auf dem Friedhof Keitum (Sylt) erfolgte am 19.&nbsp;November&nbsp;2002. Am 25.&nbsp;November fand für den 1968 nach dem Tode seiner frommen Mutter aus der katholischen Kirche ausgetretenen Humanisten eine Trauerfeier im Hamburger Michel statt. Zur Jahrtausendwende hatte Augstein geschrieben, dass die Kirche in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts keine Rolle mehr spielt.<ref>Der Humanist: [http://www.humanist.de/news-34.html Trauerfeier für Augstein], 19. November 2002.</ref>

Familie

Augstein war fünfmal verheiratet und viermal geschieden, aus den fünf Ehen gingen vier Kinder hervor. Augsteins Tochter Franziska (* 1964) ist ebenfalls Journalistin (Süddeutsche Zeitung), sein gesetzlicher Sohn Jakob (* 1967, leiblicher Sohn des Schriftstellers Martin Walser<ref>[http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/2105053_Jakob-Augstein-Erfolg-und-Geheimnis.html Ulrike Simon: "Jakob Augstein - Erfolg und Geheimnis"], in: Frankfurter Rundschau, 27. November 2009</ref>) ist als Verleger der Wochenzeitschrift Freitag und des Belletristik-Verlages Rogner & Bernhard tätig. Die älteste Tochter Maria Sabine (* 1949) ist als Rechtsanwältin tätig und setzt sich aktiv für die Bürgerrechte homosexueller, intersexueller und transsexueller Menschen ein. Der jüngste Sohn Julian (* 1973) ist Maler und Volkswirt.

Schon in den 60er Jahren hatte Augstein die Idee, sein Vermögen in eine Stiftung einzubringen. So wurde die Rudolf Augstein Stiftung gegründet, die sich für die Themen Menschen in Not, Journalismus und Kunst engagiert. Es handelt sich um eine Familienstiftung, deren Vorstand ausschließlich Mitglieder der Familie Augstein bilden.

Auszeichnungen und Ehrungen

 • 1983 Ehrendoktor der britischen Universität Bath
 • 1987 Ehrendoktor der Bergischen Universität Wuppertal
 • 1993 Ehrenbürgerwürde der Freien und Hansestadt Hamburg
 • 1997 Großes Bundesverdienstkreuz
 • 1999 Ehrendoktor der Moskauer Hochschule für Auswärtige Beziehungen
 • 2000 Titel „Held der Weltpressefreiheit“ (World Press Freedom Hero) des International Press Institutes in Wien<ref>Laudatio des IPI: [http://www.freemedia.at/Heroes_IPIReport2.00/02Augstein.htm Rudolf Augstein]</ref>
 • 2000 Titel „Journalisten des Jahrhunderts” von hunderten namhaften Journalisten
 • 2001 Ludwig-Börne-Preis, von der gleichnamigen Stiftung in der Frankfurter Paulskirche verliehen

Werke

 • Spiegelungen, 1964
 • Preußens Friedrich und die Deutschen, 1968
 • Jesus Menschensohn, 1972
 • Überlebensgroß Herr Strauß. Ein Spiegelbild (Herausgeber), 1980

Zitate

Literatur

 • Rudolf Augstein – Schreiben, was ist. Kommentare, Gespräche, Vorträge. Hrsg. v. Jochen Bölsche. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 2003. ISBN 3-421-05747-8.
 • Leo Brawand: Rudolf Augstein. Düsseldorf: ECON 1995. ISBN 3-430-11557-4.
 • Ulrich Greiwe: Augstein. Ein gewisses Doppelleben. Aktualisierte und erw. Neuausg. München: Deutscher Taschenbuch-Verl. 2003. (= dtv; 34034) ISBN 3-423-34034-7.
 • Hans-Jürgen Jakobs, Uwe Müller: Rudolf Augstein. Ein Portrait. München: Heyne 1991. (Heyne-Bücher, 19; Heyne-Sachbuch, 507) ISBN 3-453-05114-9.
 • Hellmuth Karasek: Karambolagen. Begegnungen mit Zeitgenossen. München: Ullstein 2002. ISBN 3-550-08391-2.
 • Otto Köhler: Rudolf Augstein. Ein Leben für Deutschland. München: Droemer 2002. ISBN 3-426-27253-9.
 • Dieter Schröder: Augstein. München: Siedler 2004. ISBN 3-88680-782-7.
 • Bodo Zeuner: Veto gegen Augstein. Der Kampf in der Spiegel-Redaktion um Mitbestimmung. Hamburg: Hoffmann u. Campe 1972. ISBN 3-455-08737-X.
 • Peter Merseburger: Rudolf Augstein: Biographie. München: Deutsche Verlags-Anstalt 2007. 1. Auflage. ISBN 978-3-421-05852-2 ([http://www.nachdenkseiten.de/?p=2737#more-2737 Rezension]).
 • Gert Bergner: Rudolf Augstein und die "Spiegel" Affäre - Berlin: Stoedtner, (1964)

Einzelnachweise
<references />
Filmografie
Vor der Kamera
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